

fokus : mensch
Axel Geis, Malerei
Taymuraz Kozyrev, Malerei
Gil Shachar, Skulptur
Drei Künstler aus Deutschland, Israel und Usbekistan haben den Menschen als
künstlerisches Medium in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Und dies aus einer unterschiedlichen künstlerischen Sichtweise heraus:
Technik, Industrialismus und in ihrer Mitte der Mensch im Fokus, so sieht es der usbekische Künstler Taymuraz Kozyrev (1967*) in seiner klein formatigen Bildergalerie: Ölbilder auf Karton mit Menschen, zwischen Industrie und Landschaft. Technisches Gerät, einsame Höfe und Häuser gemalt in seiner ureigenen morbide wirkenden Maltechnik, die dennoch mit tiefem , heimatbezogenem Lebensgefühl beseelt ist. Die Bilder erscheinen als
bildhaft eingefrorene Szenerien wo die Grenzen zwischen Phantasie und Realität nicht auszumachen sind. Der Betrachter ist selbst aufgefordert, die Szene gedanklich wie visuell zu Ende zu spielen.
Der Israeli Gil Shachar (1965*) formt ihm bekannte Personen ab oder er nutzt
Gegenstände des täglichen Lebens für seine Plastiken. Nacktheit, Enthüllen, Verdecken, Bedecken, sind immer wiederkehrende Motive in der Kunst von Shachar, wobei die Motive oft an Darstellungen des späten Mittelalters erinnern. Gil Shachar zählt zu den großen israelischen Künstlern und hatte u.a. große Einzelausstellungen im Wilhelm- Lehmbruck Museum, Duisburg; Museum Goch; ALTANA Kunstfonds und wurde mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis gestiftet von Anselm Kiefer ausgezeichnet.
Axel Geis ( 1970*)
In seinen klein- und mittelformatigen Ölbildern beschäftigt sich Axel Geis, geb. 1970, mit der menschlichen Figur. Im stets undefinierten und rein malerisch gestalteten Raum erfährt diese eine Präsenz, die in ihrer Art schwer zu bestimmen ist. Die Bilder werden von einer Stille getragen, die zwischen vertraut und fremd kippt. Die dargestellten Personen im Ganz- oder Halbfigurenportrait scheinen entrückt und auch, wenn sie den Bildbetracher anschauen, nur auf sich selbst bezogen. Der Beliebigkeit einer figürlichen Malerei, die auf öffentliche Darstellungen in Zeitschriften und Magazinen zugreift, setzt Geis das Konzept einer privaten Bildwelt entgegen. Als Vorlagen dient dem Künstler vielfach ein Konvolut an Dias und Fotos aus Familienbesitz. Ein Mann im Bundeswehrparka ist der Vater des Künstlers bei den Gebirgsjägern, ein Clown im Harlekinkostüm der Bruder zu Karneval in den frühen 1970er Jahren. Nicht zuletzt durch die Vernachlässigung eines bildlichen Kontextes weisen die Dargestellten jedoch weit über das Persönliche hinaus in den Bereich einer allgemeinen Sicht auf den Menschen, die im Gewand einer traditionellen Malerei Anknüpfung an die Gattung der Bildnismalerei und des Verhältnisses von Innerem und Äußerem sucht. In seinen Bildern befragt Geis die Rolle des Individuums in der zeitgenössischen Bildproduktion. Die Bildfigur und ihr Antlitz geraten in den Sog einer gestörten Weltwahrnehmung, was Baudrillard veranlasste vom "fraktalen Subjekt" zu sprechen. Neben den Figuren, die sich auf fotografische Vorlagen beziehen, zeigt Axel Geis auch "erfundene" Darstellungen von Personen. Diese Gemälde diskutieren weniger das Portrait in seiner Rolle als physiognomisches und psychologisches Abbild, sondern fragen in grundlegender Weise nach Wahrnehmung, Funktion und Individualität von Bildern.
(Auszug: Axel Geis, 31.5.08, Kunsthalle Mannheim)